
Als humorige Mischung aus Pater Brown und Miss Marple ermittelt in Johanna Albas und Jan Chorins Krimireihe niemand geringeres als der Papst persönlich. Ihr Papst Petrus II. ist den weltlichen Genüssen nicht abgeneigt, er kocht und isst in den Romanen mit Leidenschaft. Im Frühjahr ist mit „Jubilate!“ der fünfte Band der Reihe erschienen, in dem es den ‚Heiligen Vater‘ in die Albaner Berge verschlägt, wo er eine Verschwörung aufdecken muss. Johanna Alba und Jan Chorin über bodenständige Päpste, den einzigartigen Flair der ewigen Stadt und die Liebe zur römischen Küche.
Ihr habt 2010 mit den Papst Krimis begonnen. Damals war mit Benedikt noch ein sehr konservativer Papst im Amt. Habt ihr eure Hauptfigur Papst Petrus, die erstaunlicherweise einige Parallelen zu Papst Franziskus hat, als Gegenentwurf zu Benedikt angelegt?
Jan Chorin: Wir hatten schon die Idee, eine Art Gegenentwurf zu zeichnen. Dieses Lebensfrohe, Weltzugewandte, Liberale, die Freude am Essen, an den schönen Dingen des Lebens, am Fußball… das sind alles Dinge, die bei Benedikt nicht so stark veranlagt waren. Bei Franziskus gibt es tatsächlich überraschend viele Parallelen, dass wir manchmal das Gefühl haben, die haben im Konklave unser Buch rumgegeben und gesagt: ‚So einen hätten wir auch gerne!‘
Woher kommt denn Petrus‘ Begeisterung für das Essen?
Jan Chorin: Er ist echter Römer und die Römer essen sehr gerne. Vor allem eine deftige Küche, die auch Petrus sehr gerne mag.
Ihr hättet ihn auch in die große Tradition der Päpste mit einer Vorliebe für das prunkvolle Essen einsortieren können. Es gab ja genug Päpste im Laufe der Geschichte, die durchaus ausgelassen und extravagant getafelt haben.
Johanna Alba: Ja, aber das hätte nicht zu seinem Typus gepasst. Tatsächlich beschreiben wir ihn als ein Arbeiterkind aus Trastevere. Er stammt aus einer Bäckerfamilie und in einigen Romanen erinnert er sich auch daran zurück, wie er aufgewachsen ist und auf der Piazza Santa Maria in Trastevere Fußball gespielt hat. Er kommt aus diesem einfachen Milieu und im Essen spiegelt sich das wider.
Euer Protagonist macht alles: er kocht für Freunde, er ist als Detektiv aktiv. Er findet auch Zeit, Zeitung zu lesen. Das Einzige, was gar nicht macht, ist seiner Arbeit als Papst nachzugehen. Wie realistisch ist Petrus angelegt?
Johanna Alba: Das ist der besonderen Situation geschuldet, dass er quasi im Urlaub ist. Es ist Sommer, der Papst weilt in Castel Gandolfo. Dort verbrachten viele Päpste immer ein paar Wochen Auszeit, wo sie nicht in Rom waren und nicht so viele offizielle Geschäfte abgewickelt haben. Das Buch fällt genau in diese Zeit. Insofern ist es natürlich zu entschuldigen.
Teilt ihr Petrus‘ Vorliebe für die römische Küche oder steht bei euch etwas anderes auf dem Tisch?
Johanna Alba: Natürlich teilen wir sie! Ich habe damals mit einer echten Römerin zusammen in einer WG gelebt. Die hat sehr gut und sehr leidenschaftlich gekocht. Da habe ich viel gelernt. Ich war Studentin und kannte eher die normale deutsche Hausmannskost. Das italienische Kochen mit frischen Zutaten, auf dem Markt einkaufen, immer beim bestimmten Gemüsehändler sein Obst und Gemüse zu holen oder nur bestimmten Fisch, wird ja sehr zelebriert. Und selbst einfache Nudelsaucen kochen stundenlang und erhalten dadurch ein ganz eigenes Aroma. All das habe ich dort gelernt. Ich koche bis heute immer noch immer am liebsten italienische Gerichte.
Jan Chorin: Wobei wir im Wechsel der Bände die jeweilige Standortküche austesten. Wir haben ein Band gemacht, „O Sole mio“, der an der Amalfiküste spielt. Beim Schreiben haben wir ganz viel aus dieser Gegend gekocht. Viel Fisch, viel mit Zitrone. Wir sind da durchaus variabel. Gerade haben wir ganz vage einen Band in Planung, der in Venedig spielt. Dort gibt es auch eine unglaublich spannende Kochtradition, die vom Orientiert beeinflusst wird.
Ihr schreibt in vielen Details und mit großer Begeisterung über das römische Leben. Was macht für euch den besonderen Reiz Roms aus?
Jan Chorin: Da kommt vieles zusammen. Ein Faszinosum für uns war, dass es eine Weltstadt ist, eine lebendige Stadt, aber gar keine moderne Stadt. Es gibt in Rom keine Hochhäuser, keine Skyline, nichts, was typischerweise heute eine Metropole ausmacht. Die Stadt hat einen unglaublichen Bezug zur Vergangenheit – zur römischen Antike, aber auch zur Barockzeit. Das gibt ihr ein geheimnisvolles, mystisches und nostalgisches Flair, das so eigentlich keine Metropole der Welt hat. Rom hat etwas träumerisch in die Vergangenheit Blickendes. Obwohl es eine lebendige Stadt ist, ist Rom trotzdem von der Moderne eher unberührt.
Johanna Alba: Was Rom auch so interessant macht, ist, dass es so viele Gegensätze vereint. Es ist eine wunderschöne, aber auch sehr abgründige Stadt. Rom kann sehr schön und sehr hässlich sein. Es gibt Ecken, die fast unheimlich sind.
Wenn ihr einen neuen Roman schreibt und Impulse aus der Küche aufnehmt, macht ihr dazu Recherchereisen vor Ort oder läuft das eher über Kochbücher?
Jan Chorin: Wir sind recht regelmäßig in Rom. Aus der Studienzeit rührt eine große Sehnsucht nach der Stadt und wir haben dort Kontakte und Freunde. Dann schauen wir uns vor Ort um oder holen uns Tipps von Freunden. Wir blättern aber auch mal durch die Slow Food Reiseführer und essen uns in den empfohlenen Restaurants ein wenig durch. Kochbücher oder Blogs sind uns auch willkommen und wir schauen kreuz und quer, was uns über den Weg läuft.
Über Papst Benedikt kursierte die Legende, dass er als Kardinal ins österreichische Spezialitäten-Restaurant Cantina Tirolese in Rom gegangen ist und dort heute noch der Tisch 6 für ihn reserviert ist. In welchem Restaurant wird für euren Papst Petrus ein Tisch freigehalten?
Jan Chorin: Ich glaube nicht, dass er ein richtiges Stamm-Restaurant hat. Wir beschreiben öfter, wie er sich aus dem Vatikan rausstiehlt und dann inkognito in seinem alten Priestermantel und mit Sonnenbrille durch Rom streift. Was der aktuelle Papst Franziskus auch gerne macht, wie ich gelesen habe. Petrus zieht es immer wieder nach Trastevere. Da mag er die ganz einfachen Straßen-Pizzerien und dort fühlt er sich zu Hause.
Gibt es ein Restaurant in Rom, in dem Papst Petrus unbedingt mal essen sollte?
Jan Chorin: Eigentlich schicken wir ihn immer dorthin, wo wir auch selbst gerne essen. Wir haben erstaunlicherweise einen ähnlichen Geschmack. Ich glaube, da, wo wir mit ihm hingehen würden, waren wir auch schon.
Gastrezept von Johanna Alba und Jan Chorin
Pasta Carciofi
Zutaten
- 4-5 Artischocken vorzugsweise römische Artischocken (carciofo romanesco)
- 1 Zitrone
- 1 Bund glatte Petersilie
- 1 Zehe Knoblauch
- Olivenöl
- Weißwein z. B. Frascati
- 1 Zweig Minze
- 500 g Nudeln z. B. Penne oder Rigatoni
Zubereitung
- Die äußeren harten Blätter der Artischocken entfernen, den Stil schälen. Die Artischocken erst halbieren, dann vierteln und das Heu im Inneren herausschneiden. Die geschälten Artischocken sofort in eine Schüssel mit Zitronenwasser legen, damit sie nicht braun werden.
- Petersilie feinhacken. Unterdessen in einer Pfanne 1 Knoblauchzehe langsam in reichlich Olivenöl anbraten, bis sie weich wird. Die Artischocken abtropften lassen und in die Pfanne hineingeben, auf mittlerer Hitze langsam dünsten und mit reichlich Weißwein (Frascati) ablöschen. Zwei Drittel der gehackten, frischen Petersilie und einen Zweig frische Minze hinzugeben. Weitergaren auf kleiner Hitze, etwa 25 Minuten lang, bis die Artischocken weich sind.
- In der Zwischenzeit die Nudeln bissfest kochen, abgießen und anschließend in die Pfanne zu den Artischocken geben. Alles gut vermengen, mit frischer Petersilie bestreuen und servieren. Buon appetito!
Petra Kreutle
guten Tag…wann erscheint denn ein neuer Papst Krimi?
Torsten
Liebe Petra,
Das kann ich dir leider nicht beantworten, vielleicht fragst du mal beim Verlag nach.
Liebe Grüße
Torsten