Wer den Norden von Sardinien bereist, landet zwangsläufig in Olbia - mit dem Flugzeug wie mit der Fähre. Für viele Sardinien-Urlauber ist Olbia oft nur eine Durchgangsstation. Die meisten zieht es direkt weiter an die Costa Smeralda oder in einen der vielen Küstenorte der Gallura. Diejenigen, die für ein paar Tage bleiben, sind überrascht. Denn Olbia bezaubert mit einer kleinen, aber sympathischen Altstadt auf historischem Boden. Und vor allem kulinarisch bietet die Hafenstadt einiges. Die besten Tipps und wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Olbia entdeckst du in meinem Reisebericht.

Wenn du nicht nur nach Sardinien kommst, um tagelang die Beine an einem der vielen Traumstrände der Insel auszustrecken, sondern weil du die Insel näher kennenlernen möchtest, dann ist Olbia eine gute Wahl. Die Stadt liegt strategisch hervorragend. Nahezu alle Orte der Gallura erreichst du bequem in maximal einer Autostunde. Sowohl die berühmte Costa Smeralda im Norden als auch der idyllische Golf von Orosei im Süden liegen dir zu Füßen. Gleichzeitig kannst du alle Vorzüge mediterranen Stadtlebens genießen. Zumindest, wenn das Wetter mitspielt.

Olbia bietet mehr Abwechslung als viele der kleinen Küstenorte, die Mitte des letzten Jahrhunderts mehr oder weniger aus dem Boden gestampft wurden. Und noch ein Vorteil, der für einen Aufenthalt in Olbia spricht: die Übernachtungspreise sind im Vergleich zu den touristischen Hochburgen im Norden Sardiniens vergleichsweise moderat.
Die Altstadt von Olbia - ein geschichtsträchtiges Pflaster
Bereits um 750 vor Christus siedelten Phönizier an der Ostküste Sardiniens und organisierten von dort ihren Handel mit dem italienischen Festland. Ab 630 v. Chr. übernehmen die Griechen die Kontrolle über die Region und gründen Olbia, was so viel wie „glückliche Stadt" bedeutet. Die Herrscher wechseln: Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. fällt Olbia an Karthago, bevor die Römer 238 v. Chr. Sardinien erobern und die Stadt zum Municipium machen.

Unter den Vandalen hat Olbia anschließend nicht viel zu lachen. Die Byzantiner, die ihnen folgen, ernennen Olbia zum Bischofssitz und geben ihr den neuen Namen Phausiana. Es soll nicht die letzte Namensänderung gewesen sein. Als Hauptstadt des Judikats der Gallura ist Olbia ab 1113 unter dem Namen Civita bekannt und geht eine Allianz mit der Seerepublik Pisa ein.

Aus dieser Zeit stammt auch die Kirche San Simplicio in der Altstadt von Olbia, die im romanisch-pisanischen Stil errichtet wurde. Als die Pisaner Ende des 13. Jahrhunderts die Macht an sich reißen, wird die Stadt wieder einmal umbenannt - diesmal in Terranova. Nur wenige Jahre später fällt sie in die Hände der Aragonier. Die Spanier erobern Olbia als eine der ersten Städte auf Sardinien.
Ganze 500 Jahre wird die spanische Herrschaft auf Sardinien dauern. Ein hartes Los für Olbia, denn unter den Spaniern verfällt die Stadt. Piraten tyrannisieren sie regelmäßig und eine Hungersnot im 17. Jahrhundert gibt ihr fast den Rest. An ihrem Tiefpunkt leben nur noch 240 Menschen in der Hafenstadt.

Seit 1939 trägt die Olbia wieder seinen alten Namen - Glück hat die Namensänderung nicht gebracht. Während des Kriegs werden Stadt und Hafen von den Alliierten stark bombardiert. Erst ab den 1960ern geht es dank Sardinien-Investor Aga Khan wieder bergauf. Olbia wird Drehkreuz für die solventen Gäste der Costa Smeralda und schneidet sich auch ein kleines Scheibchen vom Tourismus ab.
Sehenswürdigkeiten in Olbia
Olbia ist keine Stadt der großen Sehenswürdigkeiten, die jährlich Abertausende anziehen. Die Altstadt ist eher ein sympathisches Gesamtkunstwerk aus der mediterranen Lässigkeit einer Küstenstadt, einer einladenden Flaniermeile, schmucken Palazzi aus dem frühen 20. Jahrhundert und einigen sehenswerten historischen Bauten.

Versteckt im Boden des Centro Storico schlummern noch viele Schätze. „In Olbia weiß man: wo man gräbt, da gräbt man", sagen die Sarden, denn das antike Olbia liegt gut erhalten nur wenige Zentimeter unterhalb der heutigen Stadt. Wenn heute Arbeiten an modernen Häusern anstehen, rückt ein archäologisches Team oft gleich mit an.
Kulinarischer Tipp: L'Essenza Bistrot

Zu den kulinarischen Top-Adressen in Olbia gehört seit Jahren das L'Essenza Bistrot - und das völlig zurecht! Das kleine gemütliche Restaurant liegt nur ein paar Schritte von der Chiesa San Paolo entfernt. Mit einer Handvoll Tische vor der Tür und nur unwesentlich mehr im gemütlich eingerichteten Innenraum ist das L'Essenza übersichtlich genug, um die Gäste nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Küche ist raffiniert, verlässt sich überwiegend auf Zutaten aus dem KM0-Radius. Mit dem Degustations-Menü machst du nichts falsch, du kannst aber auch A-la-carte essen. Zu den Höhepunkten bei meinem Besuch zählten die butterzarten Jakobsmuscheln in Zitrone mit Tropea-Zwiebeln und Kapern sowie ein Crudo aus roter Gamba mit Erdbeeren und Balsamessig.
L'Essenza Bistrot, Via delle Terme 8a, Olbia
Basilica San Simplicio zu Ehren des ersten sardischen Bischofs
Das wichtigste historische Bauwerk in Olbia ist die Basilica San Simplicio, die ein wenig abgeschlagen vom Stadtzentrum hinter den Eisenbahnschienen liegt. Früher lag die Kirche zu Ehren von San Simplicio, dem Schutzheiligen von Olbia und Tempio, im historischen Herz der Stadt. Simplizius war der erste sardische Bischof. Am 15. Mai 304 soll Simplizius dort, wo einst ein heidnischer Tempel stand und sich heute die Kirche befindet, während der Christenverfolgung durch Kaiser Diocletian den Märtyrertod gestorben sein.

Schon im frühen 6. Jahrhundert errichteten die Sarden eine kleine Kirche zu Ehren des Bischofs. Die heutige Kirche aus grauem Granit - eine der ältesten auf Sardinien - wurde aber erst im 11. Jahrhundert erbaut und anschließend mehrfach umgestaltet. Beim Bau der Krypta entdeckte man im 17. Jahrhundert angeblich Reliquien des Heiligen Simplicio, zu dessen Ehren jedes Jahr am 15. Mai eine Prozession und das größte Fest Olbias stattfindet. Politisch blieb die Basilica San Simplicio lange bedeutsam: Bis ins 14. Jahrhundert wurden in der Kirche die Richter der Gallura gekrönt.
Chiesa di San Paolo: Ruheoase mitten in der Altstadt

Versteckt in einer Seitenstraße im Centro Storico von Olbia findest du die zweitwichtigste Kirche der Stadt. Die Chiesa di San Paolo wurde bereits um 1455 erbaut. Rund 300 Jahre später musste sie einer neuen Kirche weichen, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts ihr heutiges Aussehen und eine bunte Majolika-Kuppel erhielt. Ein großer Teil der ursprünglichen Kirche Santa Croce wurde bei der Umgestaltung allerdings abgerissen und die kleine Pfarrkirche San Paolo in den neuen Bau integriert.

Auch wenn viel historische Substanz weichen musste, hat man es geschafft, aus der Chiesa di San Paolo eine kleine Perle zu machen. Ein kleiner, pflanzengeschmückter Vorplatz lädt dazu ein, unter dem steinernen Glockenturm ein entspanntes Päuschen einzulegen. Nur einen Steinwurf vom geschäftigen Corso Umberto I entfernt, ist die Kirche eine echte Ruheoase.
Kulinarischer Tipp: Malp Bar
Die Malp Bar ist das Kontrastprogramm zum L'Essenza Bistrot. Aber dennoch ist es eine kulinarische Adresse in Olbia, die du auf dem Zettel haben solltest. Die einfach eingerichtete Bar liegt direkt oberhalb des Fausto Noce-Parks und ist ein beliebter Treffpunkt der Bewohner Olbias. Von außen hat die Malp Bar den Charme eines Achtziger-Jahre-Bistros. Chichi-Küche gibt es hier nicht, stattdessen eine sehr begrenzte Auswahl an bodenständigen Gerichten. Mal mehr, mal weniger. Touristen findest du hier nicht, dafür die besten Muscheln der Stadt und einen Octopus-Kartoffel-Salat, der umwerfend gut ist. Ein Geheimtipp in Olbia!
Malp Bar, Via Galvani 6, Olbia
Corso Umberto I: Olbias mediterrane Lebensader

Die zentrale Lebensader der Altstadt ist der Corso Umberto I. Es ist eine wahre Freude, über die verkehrsberuhigte Straße zu schlendern. Bistros, Bars und Eiscafés reihen sich auf der sonnengefluteten Flaniermeile aneinander. Dazwischen finden sich Boutiquen und Spezialitätenläden, die zum Shoppen verführen.

Vor allem von der urigen Piazza Regina Margherita hinab zum Hafen zeigt sich der Corso von seiner besten Seite. Bunte Palazzi mit maximal zwei Stockwerken und verzierten Steinbalkonen reihen sich aneinander. Die Dichte an repräsentativen Novecento-Bauten nimmt vor allem in Meeresnähe zu. Am östlichen Ende der Altstadt versprüht Olbia mediterranes Flair. Vor allem an Sommerabenden ist der Corso bis spät in die Nacht belebt.

Vergessene Sehenswürdigkeit: Ruinen der Punischen Mauern
Lange Gesichter machen Touristen nur bei einer Sehenswürdigkeit von Olbia: den Resten der punischen Stadtmauern. Sie liegen versteckt an einem Wohnblock zwischen der Via Torino und Via Acquedotto. Für die einen sind sie ein Haufen dicker Steine, für die anderen ein aufregendes Zeugnis der Geschichte. Wenn man nicht weiß, an welch historischem Pflaster man gerade vorbeischlendert, könnte man die Mauerreste fast übersehen.

Rund 60 Meter lang ist der Rest der punischen Stadtmauer, an der die Karthager Olbia einst erbittert gegen ihre Feinde verteidigten. Die archäologische Stätte wirkt allerdings etwas lieblos und vernachlässigt. Ein einsames Schild weist auf die wenig spektakulären Mauern hin.
Museum mit Aussicht: Museo Archeologico am Hafen
Viel, viel spannender geht es dagegen im Archäologisches Museum an der Isola Peddone zu. In einem modernen Bau direkt am Meer erfährst du alles über die bewegte Geschichte Olbias von der Antike bis in die Neuzeit. Die Ausstellung ist wirklich interessant aufbereitet und präsentiert Fundstücke aus der Steinzeit, der römischen Epoche bis zum Mittelalter.

Herzstück des Museums sind die Reste von römischen Schiffen. Die Vandalen zogen im 5. Jahrhundert brandschatzend und plündernd durch das westliche Mittelmeer. Im Jahr 450 greifen sie Olbia an, versenken die römischen Schiffe und zerstören den Hafen. Der Sturm auf Olbia hat zur Folge, dass die übrigen sardischen Städte kapitulieren, damit sie nicht das gleiche Schicksal erleiden. Olbia jedenfalls sollte sich von dem Angriff mehrere Jahrhunderte lang nicht erholen.

Architektonisch erinnert das Museumsgebäude an ein im Hafen angelandetes Schiff. Selbst wenn du nicht die Ausstellung (Eintritt frei!) besuchst, solltest du zumindest wegen des Ausblicks vom Dach beim Archäologischen Museums vorbeischauen. Es ist auch außerhalb der Öffnungszeiten frei zugänglich und du hast von dort einen schönen Rundumblick auf den Golf von Olbia und das dahinter liegende Hügelland. Alternativ kannst du auch einen Ritt auf dem Riesenrad direkt neben dem Museum buchen, das einen noch spektakuläreres Panorama von Olbia bietet.
Kulinarischer Tipp: L'Officina del Gusto

Zentral gelegen, aber dennoch keine Tourifalle: das L'Officina del Gusto empfängt seine Gäste an der schnuckeligen Piazza Matteotti mitten in der Altstadt. Wie es sich für eine Küstenstadt gehört, bietet das Restaurant eine hervorragende Fischküche. Neben den Meeresspezialitäten hält die Karte aber auch genug Auswahl an Fleisch- und Gemüsegerichten bereit. Die Fischgerichte leben vor allem von der Frische der Zutaten. Ich habe mich mit einem Umber-Tartar mit Pistazie und Kirschtomaten, Agnelotti mit Gambas und Kartoffeln und einem Wolfsbarsch-Filet mit Fenchelcreme und Zucchini verwöhnen lassen. Alles fantastisch lecker und wirklich empfehlenswert!
L'Officina del Gusto, Piazza Matteotti 8, Olbia
Kunst für alle: Street Art in Olbia

Ein größeres Kunstmuseum fehlt in Olbia, doch in den Straßen gibt es genug Kunstwerke zu sehen. Zumindest wenn du Urban Art magst. In den Seitenstraßen der Altstadt haben Street-Art-Künstler jede Menge Werke hinterlassen. Ganz besonders viele findest du rund um die Piazza Mercato im südlichen Teil des Centro Storico, keine 100 Meter von der schnuckeligen Piazza Giacomo Matteotti entfernt.

Ein Markt findet an der Piazza Mercato zwar auch noch wöchentlich statt. Er ist allerdings recht unspektakulär. Empfehlenswerter ist dagegen der Mercatino Estivo di Olbia an der Uferstraße Viale Principe Umberto. Der Sommermarkt öffnet täglich zwischen dem 1. Juli und 28. September und lädt bis Mitternacht zum Schlendern ein.
Kulinarischer Tipp: Pasticceria di Zia Anna

Wo gibt es in Olbia das beste Gebäck und die leckersten Süßigkeiten? Die Antwort ist ganz klar: in der Pasticceria di Zia Anna. Seit über 45 Jahren ist Anna Maria Varrucciu eine Institution in der Altstadt von Olbia und denkt auch mit Mitte 80 noch nicht ans Aufhören. Bei Zia Anna gibt es alles, was Sardinien an süßem Gebäck bereithält: Cucciuledde, Casgiatini, Niuleddi oder Papassini. Nie davon gehört? Dann unbedingt probieren - jede Kekssorte ist köstlicher als die andere. Und auch nach all den Jahren schenkt Zia Anna den Kunden ihrer Konditorei zu jedem Keks auch noch ein Lächeln.
Pasticceria di Zia Anna, Via Regina Elena 20, Olbia
Sommer, Sonne, Strand: Badeurlaub in Olbia
Auch wenn Olbia mehr bietet als viele Sardinien-Urlauber auf den ersten Blick vermuten, hat die Stadt nur ein einziges Manko. Wenn du direkt vor Ort baden gehen möchtest, musst du dich auf eine Enttäuschung einstellen. Abgesehen davon, dass man nicht dort ins Wasser möchte, wo große Fähren ankern, musst du schon ins Auto steigen, um die nächsten Strände zu erreichen.

Die sind dann aber auch schnell erreicht. Im Norden lockt der Lido di Pittulongu, ein langer weißer Sandstrand, sowie weitere Badespots in Richtung des Golfo Arancio. Im Süden dagegen erwarten dich der Lido di Sole oder Le Saline. Etwas weiter entfernt, aber wirklich spektakulär sind die Strände am Capo Cavallo.

Das „Kap des Pferdeschweifs" ist eine schmale Landzunge mit einer exklusiven Ferienhaus-Siedlung. An der Spitze des Kaps findest du zahlreiche Strände mit glasklarem Wasser und Blick auf die Isola Molara. Direkt daneben ist die berühmte Isola La Tavolara in Sichtweite, deren Umriss an einen Dinosaurier erinnert. Von allen Stränden dort ist vor allem die Cala Coda Cavallo idyllisch. Direkt neben dem Strand findest du einen kostenpflichtigen Parkplatz, der allerdings im Hochsommer aus allen Nähten platzt.

Wenn du abends müde vom Strand wiederkommst, bietet dir Olbia jedenfalls mehr als jeder andere Küstenort der Gallura - sei es ein Spaziergang durch die charmante Altstadt, ein Aperitivo in einer der lebhaften Bars am Corso oder ein Abendessen bei einem Glas Vermentino. Wenn du dich auf Olbia einlässt, merkst du schnell, dass die Stadt mehr ist als nur ein Durchgangsort zur Costa Smeralda. Olbia überrascht durch viele kleine Entdeckungen, die einen längeren Aufenthalt lohnen.






Schreibe einen Kommentar